Moin, willkommen auf meiner Seite.  

Ab sofort bin auch ich mit einer eigenen Seite im Netz vertreten. Wenn ihr euch fragt, warum der jetzt auch noch, es gibt ja schließlich schon genug „Schrauberseiten“, dann antworte ich darauf:

Ich war und bin wieder dem „Schrauben“ verfallen und hatte mich entschlossen, einen Oldtimer zu restaurieren. Allerdings habe ich bei der Restaurierung meines „Russen“ Anfängerfehler gemacht, die mich viel Zeit und Geld gekostet haben. Vielleicht kann diese Seite dem einen oder anderen „Frischling“, der verrückt genug ist, ein solches „Eisen“ zu restaurieren, ein paar Tipps  vermitteln, wie man es besser und  vor allen Dingen billiger machen kann.

 

 

 

Es ist auch Stolz. Ich bin stolz darauf, dass ich gleich den ersten Versuch, einem solch wunderbaren Motorrad neues Leben einzuhauchen, erfolgreich abgeschlossen habe. Und wenn einem etwas gelingt, was man sich am Anfang selbst nicht zugetraut hätte, warum soll es dann nicht die „ganze Welt“ erfahren?

 

Was ich hier ins Netz stelle, ist lediglich ein Erfahrungsbericht über Misserfolge, schlaflose Nächte und Rückschläge, die ich während der Restaurierung meines „Generals“ gemacht habe. (aber auch über Highlights, die alles Negative fast vergessen machen.)

 

Hat sich das all das Negative rund um die Bastelei gelohnt, um in einer Saison vielleicht nur 1000 oder 1500 Km  auf dem Bock abzureißen?

 

Uneingeschränkt JA! Und nochmals Ja!

 

 Wenn du nach der Restaurierung das erstemal vor dem fertigen Bock stehst, die Kumpels um dich herum, den Kickstarter trittst und das Teil springt nach dem 3. oder 4. Startversuch an, dann weißt du, was du geleistet hast. Das feeling, die Gänsehaut entschädigt dich für alles. So, genug geschwafelt .Damit ihr jetzt endlich wisst, mit wem ihr es zu tun habt, stelle ich mich kurz vor:

 

 Mein Name ist Lothar Bollmann (Freunde nennen mich BUDELMANN), ich bin 62 Jahre alt, wohne und schraube in Bremen Von Beruf bin ich Koch, stehe aber leider! nicht mehr am (Profi) Herd.Nach meiner beruflichen Tätigkeit  suchte ich nach einem Hobby, das mir nicht nur Spaß macht, sondern auch irgendwie mit Technik zu tun haben musste.

 Da ich schon in jugendlichen Jahren ständig an meinen Fahrzeugen – mein erstes Auto war übrigens ein Renault Gordini, Bj. 1962 mit 37 PS, mein erstes „Motorrad“ ein Motorroller NSU Lambretta – rumgeschraubt habe, lag es nahe, dass ich mir Gedanken über die Restaurierung eines Oldtimers machte. Die vielen Erinnerungen – übrigens ein nettes Mitbringsel des Alters- an die damalige geniale Einfachheit der Technik und der trotzdem oder gerade deswegen ausgesprochenen Zuverlässigkeit der meisten Boliden,  bestätigten mich nur noch, mein Vorhaben zu realisieren.  Ich wusste  nur noch nicht, ob Auto oder Motorrad.

  Nach dem Sichten meines Kontostandes und nach dem vergeblichen Bemühen meine Frau von meinem Vorhaben ein englisches Auto zu restaurieren, zu begeistern ( die vergebliche Überzeugungsarbeit hat mich einschließlich Essengehen, Blumen, und diversen  Versprechungen wie den Schrauberbunker = Keller aufzuräumen und ständig ! in begehbarem Zustand zu halten, den Gegenwert einer neuen Auspuffanlage für meine Ural gekostet), habe ich mich dann für ein Motorrad entschieden. 

 

Eine

  M72, Bj 1960

 

 


    

Wie kommt man an einen (URAL) Oldtimer?
 
Als Schrauber kommt man heute, dank moderner Verkaufsstrukturen, schneller an  ein geeignetes Objekt, als noch vor vielen Jahren. Zu meiner Zeit musste man noch „über die Dörfer“ um mit viel Glück einen der legendären Scheunenfunde zu  ergattern. (Gibt’s es heute noch Scheunenfunde? Schreibt mal)
Der potenzielle „Restaurator“ bedient sich zunehmend der modernen Medien um an ein geeignetes Objekt zu gelangen. Die  Angebote der verschiedensten Marken und Modelle zu manchmal durchaus noch erschwinglichen Preisen sind auf diesen Marktplätzen einfach überwältigend und für jeden wird mit Sicherheit etwas dabei sein.
Aber jede Quelle, die dazu dient, ein geeignetes Objekt zu finden, hat ihre Vor- und Nachteile
 

 Das Internet

 

 Da zunehmend der An- oder Verkauf von Waren aller Art über das Internet und damit global getätigt wird, drängt sich dieses Medium geradezu auf,hier nach einem  geeigneten Fahrzeug zu suchen .Eine gute Basis  dafür sind die großen Internet-Auktionshäuser. Wenn der Preis (die Gebote) weder über dem hoffentlich selbst gesetzten Limit liegt, die  technischen Möglichkeiten  (Werkzeuge) und das technische Grundwissen  des Käufers ausreichen, ist es relativ einfach, hier ein geeignetes Fahrzeug zu finden, für das es sich lohnt, tage- bzw. monatelang in der Schrauberbude zu stehen  

 

Die vielen Angebote werden studiert, die Fotos gesichtet und wenn man meint, das passt alles, wird geboten.. Ein Gebot ist schnell abgegeben und evtl. bekommt man den Zuschlag, drei, zwei, eins =meins, bei gebotenen, sagen wir mal 500 €..  Exakt die Summe, die man sich als Limit gesetzt hat. Glückwunsch!Was dann? Bezahlen durch Überweisung = Vorkasse ? Natürlich nicht! Bezahlt wird  erst bei Abholung (siehe TIPP)Damit schützt ihr euch vor unseriösen Verkäufern, die Teile ins Net stellen und dann nicht liefern oder das Teil entspricht bei Abholung in keiner Weise der Beschreibung. 

 

 Tipp:

 Nehmt unbedingt vor Versteigerungsende Kontakt zum Verkäufer auf und bittet ihn, diese Zahlungsweise zu akzeptieren. Ein seriöser Verkäufer verlangt keine Vorkasse. Ihr holt das Teil ja sowieso persönlich ab und zahlt dann selbstverständlich BAR!


Die Versteigerung war erfolgreich, jetzt muss das Teil nur noch abgeholt werden.
 
Evtl. wohnt der Verkäufer einige Kilometer von eurem Heimatort entfernt Dann benötigt ihr natürlich  ein Zugfahrzeug  mit einem entsprechenden Trailer. Zugfahrzeug mit Hängerkupplung, in den meisten Fällen kein Problem .Aber Trailer ? Also ausleihen Kostet in Bremen für 24 Std ca 30 €. Spritgeld für angenommene vierhundert Kilometer hin und zurück ca. 45 €.
Bei einem Kaufpreis von 500 € schon mal  75 € = 15 % zusätzlich. Das Geld für Getränke und die Hamburger für die Kumpels, die mitfahren, gar nicht mitgerechnet.
Euer Limit lag aber bei 500 €. Also: Achtet bei Abgabe eines Gebotes auf mögliche Nebenkosten

Jetzt geht es los, den Bock abholen
 
Ihr kommt nach 2 ½ Stunden Fahrt am vereinbarten Treffpunkt an.
 
Der Verkäufer tritt euch gegenüber, ein  Typ, der zu denen gehört, die das Teil angeblich für einen Freund versteigert haben, weil der im Moment leider keinen Internetanschluss hat. Die Maschine, ganz anders beschrieben als im Versteigerungsportal,  in einem desolaten Zustand. Sah auf den Bildern ganz anders aus. Alle Fragen nach evtl. Mängeln, die in der Beschreibung nicht aufgeführt wurden, nach Reparaturen in den letzten zwei Jahren, welche evtl. Schäden wann und durch wen behoben wurden  und  warum die auf der Auktionsseite  ganz anders beschrieben wurde  , werden nur  lapidar beantwortet mit einem: „Weiß ich alles nicht, wie gesagt, ich verkaufe nur für meinen Kumpel“!
Was nun ? Drohen mit einer negativen  Bewertung? Der lacht euch aus!
Preis drücken?

 Wollt ihr das Teil trotz allem haben, mindestens einen100ter runter handeln, dann habt ihr zumindest  eure Kosten wieder drin.
Oder er bleibt stur und verlangt den Kaufpreis. Was dann?

Das muss, so Leid es mir tut, jeder für sich entscheiden.
 
Alles fiktiv?
 
Selber so ähnlich erlebt als Mitfahrer beim Abholen eines Audi  A4.  Gott sei Dank hatte der Käufer  Zahlung bei Abholung vereinbart.
(Er hat sich übrigens entschieden, das Teil nicht zu kaufen) Kostenerstattung für Sprit, Auslagen, Zeitaufwand ? Keine Chance
  
Es geht aber auch anders:
Ich habe meinen Seitenwagen bei Ebay ersteigert und persönlich im Bersenbrück (ca. 250 Km von Bremen) abgeholt. Das Teil übertraf bei weitem meine Erwartungen .Super. Nochmals vielen Dank an „Biebergespann“
 
Auch wenn es zunehmend schwarze Schafe gibt, die sich im Net tummeln, was würden wir ohne dieses Medium machen, bei der Ersatzteilbeschaffung, beim Austausch von Erfahrungen  in diversen Foren und den daraus evtl. resultierenden Verbesserungen an den eigenen Maschinen , beim schnellen gegenseitigem Helfen zur Lösung von Herausforderungen?
 
Nicht jedes Angebot ist ein lausiges, aber aufpassen sollte man schon. 
 
Die Händler

Ich habe großes Glück, dass ganz in der Nähe von Bremen, genauer gesagt zwischen Bremen und Bremerhaven in der Ortschaft Lehnstedt ein URAL-Spezi mit seiner Werkstatt und seinem Verkauf von Ersatzteilen ansässig ist. Bei Jörg Warnke bekommt ihr fast alles, was ihr für eine fachgerechte Restaurierung eures Russen benötigt (Ersatzteilkatalog gratis)).Aber Achtung beim ersten Kontakt: Der Mann ist brummig und kantig wie eine M72. Lasst euch nicht verunsichern, er ist ein „Guter“ und hilft immer. Viele Grüße von hier Jörg!

P.S.:Wenn ihr Jörg zum erstenmal besucht, bringt ihm unbedingt eine Flasche vom ausgefallenstem Bier mit, das ihr irgendwo auftreiben könnt. Er wird es euch danken, der alte Genießer
 
Vorteil der Händler: Kompetente, persönliche Ansprechpartner bei Problemen mit eurem Bock. Schnelle Ersatzteilversorgung . Hilfe auch dann, wenn nichts mehr zu gehen scheint.
Nachteil: Leider dünn gesät in der Republik.


Messen, Ausstellungen                  
 Natürlich ein muss für Oldtimerfreunde, Sammler  oder auch Anfänger. Hier gibt es einfach alles, was das Herz begehrt. Maschinen, Ersatzteile, Werkzeug, Bekleidung, Literatur etc.. Seit Wochen freue ich mich auf die Bremen Classic Motorshow Eine Messe, die überwiegend PKW (im letzten Jahr Sondershow Ferrari) zeigt aber auch für Motorradfans von überregionaler Bedeutung ist.  Hier finde ich alles. Ein Riesenglück für mich als Bremer, dass eine solche Ausstellung bei uns stattfindet und vergesse kurz, dass fast alle großen und kleineren (Motorrad) Oldtimertreffen und Messen leider im Süden der Republik stattfinden.
Vorteil dieser Ausstellungen: Man findet viele Ersatzteile, die selbst im Net oder bei den Händlern nicht mehr zu bekommen sind.
 
Zeitschriften
 Als Alternative bieten sich natürlich auch die diversen Oldtimer Fachzeitschriften an.
Ohne Namen zu nennen, bieten alle eine reichhaltige Auswahl von Fahrzeugen an, die jedes Schrauberblut wabbern lassen (Nerven behalten, denkt an das Limit)
Z.T. erstklassige Fotos, mit sehr genauen Beschreibungen. Vorteil gegenüber dem Net: Fast alle Inserenten sind telefonisch zu erreichen. In einem telefonischen Gespräch erfährt man immer mehr über das Kaufobjekt als über eine Kommunikation per mail. Aber auch hier, die Anzeigen sind überregional geschaltet,  kommen natürlich u.U. auch die Kosten wie unter Internet beschrieben auf euch zu.
 
Tageszeitungen

 Erscheinen meist im regionalen Umfeld des Lesers und haben zum Teil  eine Rubrik „Kfz-Markt“. Hier zu stöbern lohnt sicht immer.
Allerdings hier fündig zu werden ist schon Glückssache, denn es werden nicht täglich  Oldtimer angeboten.
Wo habe ich meinen "General" her?
The Devil was not....!
Im Ernst: Ich habe meinen Russen über eine Zeitungsanzeige in einem Bremer Anzeigenblatt gefunden.
Angeboten wurde ein altes russisches Motorrad mit Seitenwagen, Marke unbekannt (siehe auch weiter unten), für 300 €.
Nach Sichten der Anzeige ging mein Blutdruck auf Drehzahl, zumal der Preis deutlich unter meinem Limit lag.
 
Sofort rief ich, es war etwa 7.00 Uhr, den Verkäufer an.
 
Die Gefahr aufs übelste von einem verschlafenen Anbieter beschimpft  und gefragt zu werden: :“Welcher Idiot es denn wagen würde, ihn zu dieser frühen Stunde aus dem Bett zu klingeln“? ignorierte  ich einfach.
 Entgegen meiner Befürchtung meldete sich am anderen Ende der Leitung ein Verkäufer, der recht ausgeschlafen war und sich in keiner Weise durch das frühe Klingeln seines Telefons belästigt fühlte.
 

Wir vereinbarten einen sofortigen Besichtigungstermin.
Da der Zufall es wollte, dass der Verkäufer nur ca. 6 Km von meinem Wohnsitz entfernt wohnte, konnte ich kurze Zeit später bei ihm aufschlagen Mein Glück, denn während der anschließenden Besichtigung klingelte 5 (in Worten: fünf) mal das Telefon des Verkäufers Alles potenzielle Käufer. Die hatten anscheinend auch keine Angst vor Beschimpfungen.
 
Nach meinem Eintreffen (Blutdruck fast bei Höchstdrehzahl !) führte mich der Halter hinter sein Haus. Und da stand sie, zwischen ungemähtem Gras und mannshohen Brennnesseln: Eine Maschine, bullig wie ein Pfingstochse, der aber leider zehn lange Jahre im Stall stand, nicht bewegt wurde und sich in einem dementsprechenden, erbärmlichen Zustand befand. Reif fürs Schlachthaus (?)!
Marke unbekannt, wie in der Anzeige angegeben? Mitnichten. Laut Typenschild eine M 72.

 

 Aber selbst aus den vielen negativen ersten Eindücken über den Zustand der Maschine ließ sich noch Positives gewinnen: Ich hatte genügend Argumente, den Peiszu drücken, so dass sich der Verkäufer  scließlich mit 200,00 € zufrieden gab (Schnäppchen!)

 

Problem: Ich hatte vor lauter Aufregung vergessen genügend Geld einzustecken und lediglich 65 € dabei. Wir einigten uns auf 50 € Anzahlung und machten einen Kaufvertrag. Damit hatte ich mir das „Eisen“ gesichert (Blutdruck ging in den Leerlauf) 
 
Dass mir die Maschine ohne Kfz-Brief verkauft wurde, nahm ich dabei billigend in Kauf .Ich Ahnungsloser! Aber dazu später mehr.
 
Jetzt nur noch Trailer mieten, das restliche Geld holen und die „Lady“ endlich abholen. Klappte alles Super. Während des Verladens sagte mir der Verkäufer noch, sein Telefon stände nicht still, es riefen sehr viele Interessenten an (Watten Wunner = bremisch für: Was für ein Wunder, bei dem Preis).
Da ich an diesem Tag noch andere Termine hatte, wurde die Maschine erst einmal auf dem Gelände der Jacobs Uni  abgestellt um sie dann am Nachmittag abzuholen.
 
Später Nachmittag, endlich zu hause. Jetzt alle Mann ran, Maschine abladen.
 
Tipp: Wenn ihr bis jetzt wenig oder keinen Kontakt zu euren Nachbarn hattet, diesen aber sucht, kauft euch ein solches Teil,
bringt es nach hause und holt es vom Trailer wenn alle Feierabend haben. Ihr glaubt gar nicht, wer alles bei euch in der Straße wohnt, und wer auf einmal mit euch schnacken (bremisch für sprechen) will. Wie viele Fachleute es gibt, die sofort wissen, um welches Modell es sich handelt. Ich habe  eine Ural gekauft und aufgeladen und nach Meinung vieler „Fachleute“ eine „BMW“ abgeladen“. Zur Ehrenrettung der „Fachleute“: Sie ist der R71 sehr ähnlich.
 
Nachdem ich mir alle gut gemeinten nachbarschaftlichen Ratschläge angehört hatte (u.a.…..Budelmann ,du bist ja verrückt, die hau man gleich bei Klöckner in den Hochofen, sparst ne Menge Geld…)  und vor allem viel Spott ( u.a.… ist das dein neuer Aufsitzmäher?...)  ertragen musste, durfte ich endlich versuchen, meinen „Russischen Bullen“ in den Stall zu bringen. Ich hätte allerdings vorher die Maße meiner Pforte aufnehmen müssen. Das Teil passt natürlich nicht durch den Eingang. Also: Ein komplettes Zaunteil ausbauen, dann geht’s.
Wenn Blicke töten könnten (die von meiner Frau)! Ich glaube, auch der Hund (Dieter der Kampfdackel) hat geknurrt.
 
Maschine steht an ihrem Platz. Willkommen zu hause alte Lady! Trinke jetzt endlich ein Pils (20/W50) mit den Jungs (Robert, Peter, Uwe), die mir geholfen haben.
 
Das war´s im Teil 1.

 Im 2. Teil geht´s los mit restaurieren (Motor) Ich hoffe, ihr schaut wieder rein
 
Euer
Uralbändiger
Budelmann
  
 P.S.:

Liebe Leute,
diese Seite ist  keine und soll auch  keine Profi-Seite sein (die natürlich auch herzlich willkommen sind) Ich will vor allem die Neuen unter den „Restauratoren“, zu denen ich mich auch zähle, ansprechen. Verlangt also  von mir kein  hundertprozentiges Fachwissen. Vielleicht verzapfe ich hier auch mal Schwachsinn, aber dann greift ein, schreibt mir mails oder veröffentlicht eure Verbesserungen, Tipps und Anregungen in meinem Gästebuch oder im Forum.. Helft einfach nur mit,  diese Seite besser zu machen, damit auch andere davon profitieren.

 

 

 

 

 

 

Hallo Leute, moin aus Bremen und viel Spaß beim Lesen des zweiten Kapitels. 

 

In Teil 2 geht es um das Restaurieren des Motors, des Getriebes und der Kupplung.

 

 Leider habe ich es versäumt im 1. Kapitel  auf einen ganz wichtigen Punkt hinzuweisen, deswegen hier ein Nachtrag:

 

Vor dem Verladen ( Bewegen) des Fahrzeugs solltet ihr unbedingt darauf achten, dass kein Gang eingelegt ist.

 

 Stand  das Motorrad irgendwo jahrelang  herum, kann es sein, dass, bedingt  durch Korrosion, die Kolben festsitzen. Bewegt man  das Motorrad jetzt mit eingelegtem Gang, wird schlagartig Druck auf die evtl. festsitzenden Kolben ausgeübt, was u.U. zu schweren Motorschäden führen kann, da die Kolben diese Kräfte ja nicht durch Auf- bzw. Abgleiten im Zylinder kompensieren können.

 Sollte sich aus irgendeinem Grund das Getriebe bei eingelegtem Gang nicht schalten lassen und der Motor festsitzen, bittet den Verkäufer das Motorrad erst am nächsten, besser am übernächsten Tag abholen zu dürfen. Sollte er zustimmen, dreht die Kerzen raus und „flutet“ die Zylinder mit Kriechöl (von BUTOL) oder mit MoS2 Öl (Caramba). Lasst die Maschine 24 Std. stehen, damit das Mittel wirken kann. Danach versuchen durch vorsichtiges Hin- und Herbewegen der Maschine die Kolben zu lösen. Viel Glück!

 

 So, nun aber zum 2. Teil:

 

Jetzt geht`s richtig los!

 

 

Der Motor

 

 Ein erster, einfacher Motortest sollte mir einen groben Eindruck über den Zustand des Triebwerks geben. Also Kerzen raus, MoS2 rein, kurz einwirken lassen und vorsichtig das Anlasserpedal (dieser Ausdruck stammt aus dem Pass für ein Motorrad mit Beiwagen, UDSSR, Ministerium für Maschinenbau, 1954) nach unten gedrückt.  Und…., beide Kolben glitten scheinbar in ihrem stählernen Mantel dahin als, hätten ihnen die 10 Jahre in den „Brennnesseln“ überhaupt nichts anhaben können. Ich war natürlich begeistert, aber wie es meistens so ist: Hinten kackt die Ente! Denn kurz darauf kam die Ernüchterung. Um die Kompression zu messen, drehte ich die Kerze vom rechten Zylinder wieder rein und schloss das Messgerät am linken Zylinder an. Anlasserpedal betätigen, Anzeige auf dem Prüfgerät: 0 in Worten: NULL, Null-Kompression! Kerze rechts raus, links rein, Pedal getreten: Anzeige 2 bar. Nicht optimal, aber immerhin Kompression auf einem Zylinder.

 

 Meine Überlegungen zur Ursache des Schadens am linken Zylinder gingen vom abgerissenen Pleuel über defekte Kolbenringe zu hängenden Ventilen.

 

 Die Sache mit dem vermutlich abgerissenen Pleuel lässt sich leicht klären: Kerze raus, einen Schweißdraht bis zum Kolbenboden führen und Pedal betätigen. Der Schweißdraht sollte sich jetzt im Zylinder auf und ab bewegen. So war`s denn auch bei meinem Motor. Kurzes Aufatmen, aber damit war nur eine Vermutung ausgeschlossen. Also: Zylinderköpfe runter. Wer jetzt aber meint, kein Problem, passende Nuss mit Knarre und Verlängerung und einfach abschrauben, der irrt. Die Zylinderköpfe bei den alten Russen sind mit so genannten Vierkantschrauben befestigt. Wer hat dafür schon einen passenden Schlüssel, geschweige denn eine eigene Nuss ? 

 

 

 

 

 

 

 

 

  Deutlich ist der Viereckige Schraubenkopf zu erkenn

 

 

Also, eine Schraube eingepackt und ab  zum Werkstattausstatter, aber Fehlanzeige. Auch hier war nichts Passendes am Lager. Da aber ein guter Verkäufer niemals aufgibt bis er eine  Lösung gefunden hat, konnte ich doch noch ein halbwegs passendes Werkzeug mit nach hause nehmen: Eine 14ner Vielzahn-Nuss! Später habe ich dann übers Net einen original Schlüssel gefunden.

 

 

Ab nach hause und Köpfe abschrauben.

 

 

Überraschenderweise ließen sich alle Schrauben ohne größeren Widerstand lösen, so dass ich schon nach kurzer Zeit die Ursache für die fehlende Kompression am linken Zylinder feststellen konnte: Ein hängendes Einlassventil war dafür verantwortlich, dass ich gleich am Anfang meines Restaurationsabenteuers graue Haare bekam. 

Aber der Motorengott hatte ein einsehen: Ein leichter Schlag mit dem Hammerstiel gegen den Ventilteller und das Teil sprang in seinen Ventilsitz zurück, als hätte es diesen niemals verlassen.

 

Jetzt ran an den rechten Zylinder. Kopf runter, kucken wie es da aussieht.  

 

Noch mehr graue Haare: Auf dem Kolbenboden stand Motorenöl, in dem sich jede Menge Eisenspäne befanden. Ursache….?.

 

Also, jetzt erst einmal den Motor ausbauen, dann sehen wir weiter. Vorher habe ich noch die beiden Köpfe montiert und mit je 2 Schrauben befestigt, so dass ich den Motor als komplette Baugruppe in den Schrauberbunker bringen konnte Der Ausbau gestaltete sich als nicht allzu schwierig. Bittet aber einen Kumpel mit anzufassen, das Teil wiegt doch einiges.Wie ihr auf dem unteren Bild sehen könnt, habe ich vorher die LiMa ausgebaut. Fotografiert die Anschlüsse oder macht euch Notizen welches Kabel (Farbe) wo an der LiMa gesessen hat  

 

 

  

                     Der ausgebaute Motor, für manchen ein Teil für den Schrottplatz

 

 

Nun geht`s ans Zerlegen. Die Köpfe wieder runter und die Zylinder abnehmen. Nächste unangenehme Überraschung: Am Kolben des rechten Zylinders war ein Kolbenring gebrochen. War das die Ursache für das Öl und die Späne im Zylinder ? Ich weiß es bis heute nicht, vermute es aber. Aber als wäre der Schaden nicht schon groß genug, nein, es kommt noch dicker. Beide Kolben und Zylinderwände wiesen so tiefe Rillen auf, dass diese deutlich mit dem Fingernagel zu ertasten waren.

 

Der Kolben des rechten Zylinders

Deutlich sind die Riefen zu erkennen

 

 

   

Schöne Sch……!

Also was machen? Das Teil auf den Schrott schmeißen und den Rest der Maschine in Einzelteilen verscherbeln? Bringt zumindest den Kaufpreis wieder rein.

Aber jetzt schon aufgeben? Niemals, es gibt ja noch Jörg Warnke!   

 

Das war´s für heute, ich hoffe ihr schaut wieder rein, bis dann,  

 

Euer

Uralbändiger

Budelmann

 

 

 

 

 

 Hallo Leute, moin aus Bremen und viel Spaß beim Lesen des dritten Kapitels.

 

Weiter geht’s mit der Instandsetzung  des Motors, des Getriebes und der Kupplung

 

Da das Restaurieren eines Russengespanns bisher nicht zu meinen alltäglichen Aufgaben gehörte, machte ich mich mit dem ausgebauten Motor zu einem Profi auf, um die zuvor beschriebenen Schäden begutachten zu lassen. Ich hatte mir einen Termin bei Jörg Warnke besorgt, damit er sich  das Trauerspiel von einem Motor einmal  aus der Nähe anschaut um mir dann evtl. zu sagen:“ Schmeiß weg das Teil“, oder : „Lohnt sich noch“!  Die zweite Aussage wäre mir natürlich lieber gewesen.

 

Bei Jörg angekommen (ich kannte ihn bis dahin nicht persönlich), glaubte ich,  er würde sofort den Motor in Augenschein nehmen und mir mit seinem Urteil  die Entscheidung abzunehmen, den „General“ evtl. in Einzelteilen zu verscherbeln, oder doch das Abenteuer Restauration zu wagen.

 

Weit gefehlt!

 

Dieser Mann strahlt eine derartige Ruhe aus, dass ein russischer Braunbär, der sich im Winterschlaf bewegt dagegen wie ein Stepptänzer wirkt. Er wollte alles andere von mir wissen, nur nichts über den Motor und machte keinerlei Anstalten, sich das Teil anzuschauen. Einen Vorteil hatte das Gespräch dennoch: Es fand in seinem Lager mit daran anschließender Werkstatt statt, sodass  ich mir während unserer Unterhaltung  einen groben Überblick über seinen Betrieb verschaffen konnte. Im Lager Unmengen von Ersatzteilen. Für einen Laien wie mich völlig unübersichtlich angeordnet, aber, wie sich später herausstellte, für Jörg überhaupt kein Thema innerhalb von wenigen Minuten das von seinen Kunden benötigte Teil zu finden. Genial ! 

In der Werkstatt stand  u.a. eine perfekt restaurierte schwarze M72. Ich bekam sofort leuchtende Augen. So stellte ich mir das Ergebnis meines eigenen Versuchs vor, einem alten Motorrad neues Leben einzuhauchen.

 

Endlich bequemte sich Jörg , das Objekt wegen dessen ich eigentlich hier war, in Augenschein zu nehmen.

Ich schilderte ihm die offensichtlichen Mängel und bei meiner Aussage: „Auf dem rechten Kolbenboden befänden sich Eisenspäne und Motorenöl“  verzog er sein Gesicht nur zu einen müden Lächeln und sagte: „Oooch, Eisenspäne und Öl, wie schrecklich“!

Er sagte das in einem Tonfall, als wäre das dass Normalste von der Welt.  Was mich in Panik versetzte, war für diesen Mann einfach nur eine Gegebenheit, die bei den „Russen“ wahrscheinlich zum Alltag gehörte

 

.Obwohl ein Kerl wie ein Bär, hatte er doch Gefühl in den Fingerspitzen wie ein Gynäkologe. Er ertastete sofort auch kleinste Rillen an den Zylinderwänden. Nach Überprüfung der Zylinder, der Kolben und der Pleuellagerspiele kam er zu dem Ergebnis, dass ich den Motor zerlegen, die Zylinder  honen und neue Kolben in Übergröße einbauen solle, was sich im nachhinein als guter Tipp  herausstellte.

 

Wohl gemerkt, die Überprüfung des Motors fand ohne Messgeräte auf der Ladefläche meines Kombis statt und diente nur einer groben Einschätzung: Lohnt sich eine Instandsetzung, oder lohnt sie sich nicht!

 

Es wurde Zeit, sich zu verabschieden. Ich fragte ihn noch, was er für sein „Gutachten“ an Geld bekäme, worauf er nur kurz antwortete: „Bring nächstes Mal Bier mit“ ! 

Hätte auf der Rückfahrt nach Bremen meine Frau neben mir gesessen, sie hätte mich bestimmt gefragt: „Warum schmunzelst du eigentlich immer so gedankenverloren“?

Hätte sie es verstanden?

 

Honen und neue Kolben.

 

Weil mir die nötige Erfahrung und das nötige Werkzeug fehlen, die beiden Zylinder zu honen, habe ich mich entschieden, die Arbeiten von einem Fachbetrieb ausführen zu lassen.

Ich glaube nämlich nicht, dass man diese Arbeiten, wir reden hier von Schleifarbeiten im 1/100 mm Bereich, mit Bohrmaschinenaufsätzen ausführen kann, wie sie immer wieder angeboten werden. Darüber hinaus benötigt man Messgeräte (Micrometerschraube), die man evtl. nie wieder braucht, die aber viel Geld kosten, das man  für andere Dinge gewiss dringender braucht.

Also, die „ Gelben Seiten“ aufgeschlagen und nach Firmen gesucht, die Motoren instand setzen.

In einer Großstadt kein Problem. Wohnt man außerhalb, lohnt sich die Fahrerei zu einem entsprechendem Betrieb meines Erachtens nach aber trotzdem. Warum ?, Später.

Ich habe mich für eine Firma entschieden, die in Bremen einen guten Namen hat und ganz in meiner Nähe ansässig ist.

 

Mein Motor, ihr erinnert euch, war zehn Jahre den Witterungsbedingungen ungeschützt ausgesetzt. Dementsprechend der Zustand

 

 

 

 

             Der Motor im "Rohzustand" 

 

 Ein Bekannter von mir, der als Kfz-Mechanikermeister in einer großen Bremer VW-Werkstatt arbeitet, hat mir mal erzählt, dass einige Kunden mit derart verdreckten Autos, bzw. Motoren in die Werkstatt kommen, dass die Mechaniker nur widerwillig die notwendigen Reparaturen an den Aggregaten ausführen würden.

Irgendwie verständlich, denn wer hat schon Lust, erst dicke Schichten von Dreck/Ölgemisch zu entfernen, bevor er an irgendeine Schraube kommt, die er lösen muss.

 

Bei Hobbyschraubern spielt das meiner Meinung nach nur eine untergeordnete Rolle, restaurieren/reparieren wir doch „Alte Gurken“, die jahrelang irgendwo herum standen  und/oder auch bei Dreckswetter bewegt werden, so dass man zwangsläufig in die Sch… greift.Das gehört irgendwie dazu, wenn man ein solches Hobby betreibt

 

.Ich will aber keinen Profi- Mechaniker, der seine Arbeit u.U. halbherzig ausführt, nur weil alles verdreckt ist. 

Also das Teil erstmal säubern. Aber wie?

Gut, den groben Dreck kann man leicht mit der Drahtbürste oder anderen Werkzeugen entfernen. Aber man kommt nicht in jede Ecke und die Oberfläche bekommt man auch nicht so hin, wie man es sich

wünscht. 

  

.Alternative: Sandstrahlen!

 

Als eifriger Leser des bma-magazins ist ein  Sandstrahler leicht gefunden (Werbung muss sich auch mal auszahlen), die Fa. http://www.sandstrahlen-paulawitz.de/ Zwischen Bremen und Verden gelegen, gerade noch akzeptabel von der Entfernung her, macht einen wirklich sehr guten Job . Eine Beratung,  (der Inhaber hat mir ausführlich, z.T. unter zur Hilfenahme eines Mikroskops erklärt, warum welches Strahlgut für welches Material besonders geeignet ist ) die ihresgleichen sucht, macht den Zeitaufwand ( 2 x Hin- und Rückfahrt a 45 Min.) mehr als wett. Zumal der Preis für das Strahlen nahezu unschlagbar ist. Für Schrauber aus der Nähe absolut empfehlenswert.

 

Der Nachteil des Strahlens ist natürlich das Strahlgut selbst. Es ist gerade beim Sandstrahlen so fein, dass es  durch jeden noch so gut abgedichteten Spalt dringt, evtl. wichtige Bohrungen verstopft und nachher, wenn man nicht auch noch das letzte Körnchen entfernt zwischen sich bewegenden Teilen wie Schmirgelpapier wirkt. Die Auswirkungen sind klar, denke ich.  

 

 

Fazit: Sandstrahlen nur, wenn die die Teile nachher so zu zerlegen sind, dass eine Reinigung vom Strahlgut zu 100% möglich ist.

Besser ist es natürlich, vorher den Motor komplett zu zerlegen und das „leere“ Gehäuse zum Sandstrahlen zu bringen. Das Gilt natürlich auch für einige andere Teile.

 

 

Da ich meinen Motor dem Instandsetzer aber als „ganzes“ , sauberes Triebwerk überlassen wollte, habe ich das Teil so gut es ging abgeklebt und dann zum Strahlen gebracht.

Wusste ich doch, dass ich es danach vollständig zerlege.

 

 

 

 

 

 

 

 

Das Motorgehäuse nach dem Sandstrahlen. Man beachte die Konserndosen, die die noch                   

                                            eingebauten Kolben  abdecken. 

 

 

 

 

So, alles sauber

 

Zylinder undKöpfe montieren und ab mit dem Teil zum Motoreninstandsetzer.

Ich fahre zur Firma Spatz & Heitmüller, dem Unternehmen, das ich mir im Branchenbuch ausgesucht hatte

.In der Eingangshalle, in der sich die Reparaturannahme der Firma befindet, sind überwiegend Schiffsmotoren ausgestellt. Da sich vor mir ein Kunde  am Annahmeschalter befand, hatte ich Gelegenheit, mich ein wenig umzusehen.  

Es waren Schiffsmotoren ausgestellt, die mich von den Dimensionen her daran zweifeln ließen, dass die Mechaniker dieser Firma Motoren einer M72 mit gerade mal 750 ccm Hubraum und einem Zylinder Innendurchmesser von 78mm bearbeiten können. Motoren dieser Größenordnung werden auf Dickschiffen vielleicht gerade mal für den Druckluftaufbau  von Nebelhörnern verwendet und, wenn kaputt, entsorgt.

 

 Bin ich hier richtig?

 

 Der Kunde vor mir ist weg, ich geh zum Tresen und werde sofort bedient.

Auf meine Frage.“ Reparieren Sie auch Kleinmotoren“? bekam ich überraschend  zur Antwort: „Warum nicht“? Wir reparieren alle Motoren“! Was  für einer isses“? Ich: „750ger Benziner, Russe, 50 Jahre alt, Zylinder müssten gehont werden und dann evtl. neue Kolben“! „Für`n Russen neue Kolben?,fragte er. Wo soll ich die denn hernehmen“?  Meine Antwort: „Kolben kann ich besorgen“ machten mich  stolz, war ich ihm doch jetzt überlegen. Er: Gut wo ist der Motor“? Ich. „Im Kofferraum“! Und jetzt der Hammer, sagt der doch tatsächlich:  „Lass drinn, ich schick dir „nen Monteuer, der guckt sich das an.

 

Tatsächlich, keine zwei Minuten später kommt ein Mechaniker, dem man sofort ansieht, das er seit Ende seiner Schulzeit vor geschätzten 40 Jahren als Mechaniker arbeitet und zu Hause seinen Kaffee nicht  aus Tassen sondern aus abgedrehten Kolben trinkt.

Tatsächlich hat er auch gleich ein Messgerät dabei. Eine Innenmessuhr, mit der er irgendwelche Maße nimmt und mir dabei Fachausdrücke um die Ohren haut, die mich schwindelig machen (Ovalität, Messzonnen usw).

Ergebnis: „Die sind schon mal geschliffen, aber wir können noch mal honen“! Gott sei Dank! Aber was ist mit den Kolben? Gibst dann noch eine entsprechende Übergröße? Ich gebe das Honen der Zylinder trotzdem in Auftrag, mit der Bitte, mir  nach Abschluss der Reparaturarbeiten die genauen Maße durchzugeben, damit ich  die passenden Kolben besorgen kann.

 

Ob es klappt?

 

Weiter in Folge 4.

 

Kommt alle gut durch den Winter,bis bald

 

Euer Uralbändiger Budelmann

 

P.S. In eigener Sache: Einfach, schnell, unkomplziert ! Damit wirbt die Telekom für ihr Produkt!. Nur ich (und nicht nur ich) habe große Schwierigkeiten beim Einfügen von Texten, die ich in Word geschrieben habe und dann in meine Homepage einfügen möchte. Klappte überhaupt nicht. Nach wiederholten Telefonaten mit dem Business Center Technik der Deutschen Telekom wurde mir heute empfohlen, einen neuen Browser zu installieren ( Mozilla Firefox ). Bisher funktioniert es, ich hoffe, es bleibt so, damit die neuen Kapitel regelmäßiger erscheinen.

Budelmann  

Nachtrag 17.00 Uhr: Jetzt lassen sich keine Bilder mehr einfügen!     

 

Hallo Leute, moin aus Bremen und viel Spaß beim Lesen des vierten Kapitels   

 


Viel, viel Asche gehört auf mein Haupt, habe ich mich doch lange nicht mehr gemeldet.

Hat aber seine Gründe:

Beim Umbau des Hauses meiner Tochter, im November 2011, hat es mich erwischt. Beim Zuschneiden der Bodendielen war ich wohl für einen Moment unaufmerksam (man soll auch nicht nebenbei Bundesliga hören, wenn man sich konzentrieren muss) und schon war es passiert. Hand in Kreissäge, Daumen der linken Hand bis auf 5mm ab, Zeigefinger Nerven und Sehnen stark verletzt. Also ab ins Krankenhaus. Zum Glück haben wir hier in Bremen eine ausgezeichnete Klinik, die sich auf die Behandlung dieser Art von Verletzungen spezialisiert hat. Die haben mir den Daumen wieder angenäht und auch den anderen Finger repariert. Das geilste aber war, dass im OP die Bundesligaübertragung Werder-Köln lief und der Chirurg mich fragte, ob er das anlassen könne. Was für ne Frage.

 

Eigentlich ist alles ganz gut verheilt, beim Motorradfahren habe ich allerdings immer noch Probleme mit dem Kuppeln, aber ich hoffe, das gibt sich noch.

 

So, aber nun genug der Gräuelgeschichten,weiter geht’s mit

 

Kapitel 4

Die Kolben

 

Fünf Tage nach Auftragserteilung meldete sich die Fa. Spatz & Heitmüller bei mir. Die Zylinder seien  fertig,  ich könne sie abholen.

Ich konnte gar nicht schnell genug ins Auto kommen, um zur Firma zu fahren, war ich doch gespannt wie ein Flitzebogen,  zu erfahren, wie die Reparatur ausgegangen sei.

Der, der seinen Kaffee aus Kolben trinkt , kam auch gleich auf mich zu, als ich die Werkstatt betrat.„Moin!“,  „Moin, und, wie isses ?  erwiderte ich. „ Alles gut, wir haben die Zylinder überprüft und gehont, passt noch alles“. Und jetzt kommts: Sagt der tatsächlich zu mir: “ Ich hab dir  schon mal ´n  paar Kolben rausgesucht, die passen“. Ich wollte es nicht glauben. „Jau, sagte er, die vom Renault R 18 passen, Kolbendurchmesser 79mm. Na, wunderbar! Im Original hat die M72 eine Bohrung von 78mm. Hab ich jetzt auch gleich eine Leistungssteigerung ? Nicht, das der "General" jetzt auf einmal 130 Km/h läuft, dann brauch ich auch noch andere Bremsen und nicht nur die! 

 

Ich strahlte übers ganze Gesicht, bis ich die Rechnung in den Händen hielt:

 

 

 

 

 

Rund 240 € , ein stolzer Preis, aber dafür kein Russenschrott

Aber was soll´s , gute Arbeit und gute Teile kriegt man nunmal nicht für´n Appel und `n Ei.

 So noch ein anständiges Trinkgeld für den Monteur und ab nach hause.

 

Der Einbau sollte eigentlich ganz einfach sein, dachte ich, bis ich die Kolben auspackte. Was war das denn ? Den Kolben fehlten die Nuten für die Kolbenbolzensicherung! Der Kolbenbolzen ließ sich anstandslos nach beiden Seiten des Kolbens rausschieben. Wat nu?

Anruf bei Firma Spatz und Problem erklärt. Der Kundendienstmonteur erklärte mir, dass die Kolben bei Renault aufgeschrumpft werden. Da das für mich nicht in Frage kam, empfahl er mir, in die Kolben Nuten für die Sicherungsringe einstechen zu lassen. Leider konnte er mir keine Firma empfehlen, die so etwas macht.

Kein Problem, dachte ich, es gibt ja das Netz.

Ich glaube, ich habe einen halben Tag lang telefoniert und Maschinenbaufirmen sowie Drehereien abgeklappert, bis ich endlich einen Betrieb fand, der über das nötige Wissen und Werkzeug verfügte, um die Arbeiten ausführen zu können. Der Meister schaute sich die Kolben an, nahm die nötigen Maße auf und sagte dann: „Geht nicht !“ „Wie geht nicht ?“ „Der Kolbenbolzen ist zu lang, mir bleibt zu wenig Platz für die Nut !“  Mir schwoll der Kamm! „Und nu ?“ fragte ich.„Bolzen abschleifen“ erwiderte er. „Könnt ihr den nicht abdrehen ?“ „ne, sagter, das ist wahrscheinlich Nitrierstahl, da mach ich meine Werkzeuge evtl.kaputt!“ Lass den schleifen!“.

O.K. das gleiche Spiel noch mal von vorne.  Recherche im Netz, telefonieren bis die Finger wund sind. Zum Glück habe ich eine flatrate. Endlich einen Betrieb 20 Km außerhalb Bremens gefunden, der mir hilft.

 

Ich kürze an dieser Stelle einfach mal ab,  mir kommen schon wieder die Nackenhaare hoch , wenn ich an diese Aktion nur denke.

 

Also:  Jede Menge Zeit fürs Telefonieren geopfert, etliche Km mit dem Auto abgerissen um die passenden Werkstätten zu finden.Warten auf den abgeschliffenen Bolzen 2 Tage, Warten auf die Kolben 4 Tage

 Preis für die Arbeiten ca. 110 €

 

Fazit: Viel Lehrgeld bezahlt, hätte nicht sein müssen, aber dazu später mehr.

 

Erfreuliches: Ein paar kleine Drehereien kennen gelernt, die auch Einzelstücke nach eigenen Vorgaben zu günstigen Preisen anfertigen. Wenn sie denn die passenden Werkzeuge haben.

 

So, nun glaubt man nicht, dass ich, während ich auf meineTeile gewartet habe, rum gesessen habe.

Weiter gings.

Der Motorblock war ja gestrahlt und damit von außen recht ansehnlich geworden. Also auf, das Innere ergründen.

 

Zuerst die Ölwanne demontiert, sah „gut“ aus.

                 

 

 

 

                                                      Dicker, schwarzer Ölschlamm hat sich abgesetzt 

 

 

Ich habe dann die Ölwanne über einem feinen Haarsieb (hoffentlich liest meine Frau das nicht, das Sieb gehöre nämlich zu unseren Küchenutensilien. Ich habe dann ein neues besorgt, ist nie aufgefallen) mit Waschbenzin gereinigt. Wider erwarten habe ich im Sieb kaum Metallabrieb gefunden, was mich doch verwunderte, bei dem Kolben (siehe Kap. 2).

Aber umso besser.

 

Und jetzt habe ich etwas gemacht, dafür hätten mich eingefleischte Mechaniker gelyncht.

 

Wie ich am Anfang der Website schon erwähnte, bin ich von Beruf Koch (mit öligen HD 30 Fingern)  und Hobbyschrauber. Die Herausforderung, den Motor komplett zu zerlegen, alles zu vermessen und defekte Teile, so es sie denn gibt, evtl. zu erneuern:  EineArbeit, die, perfekt auszuführen, ich mich nicht  traute.

Kfz-Mechaniker, Motorenschlosser sind Lehrberufe für die man 3 Jahre ausgebildet wird und ich Laie soll dass können? Nö.

Also, das Innenleben mit Waschbenzin eingesprüht, einwirken lassen  und  mit einem Hochdruckreiniger vorsichtig ausgewaschen. 2 x wiederholt und über Nacht trocknen lassen. Brutal, völlig bescheuert ? Ich weiß es nicht, aber der Motor läuft heute noch ohne Beanstandungen.

 

Am nächsten Tag alles mit Druckluft ausgeblasen und  gründlich eingeölt. Den ganzen Tag über immer wieder den  Motor durchgedreht und geölt,geölt!

 

Liebe Leser: Was bei mir geklappt hat, muss nicht immer so gut ausgehen. Ich bin Laie und trage die Kosten für Spätfolgen selber. Ich kann aber nur jedem empfehlen, bei den  geringsten Zweifeln  einen Fachmann und damit meine ich keinen guten Kumpel, der „so was schonmal gemacht hat“  hinzu zu ziehen und seinem Rat zu folgen. Das Ganze kann sehr schnell in einen teuren Spaß ausarten. Aber wie sagt der Laie so schön: No risk, no fun!

 

Am nächsten Tag ab zu Jörg, Dichtungen besorgen. Ich habei hm erklärt, was ich vorhabe und er hat mir einen Satz mit allen evtl.benötigten Dichtungen zusammengestellt (auch die für spätere Arbeiten).  wusste er doch, was auf mich zukommt. Noch n´büschen geschnackt und ab nach hause.

 

So, Leute, muss reichen für heute.

Ich muss noch Essen vorbereiten für Ostern, aber das nächste Kapitel erscheint schon gleich nach Ostern. Versprochen.

Bis dahin allen ein frohes Osterfest (auch schlechtes Wetterhat seine Reize, unter der Bettdecke)) und schaut mal wieder rein.

 

Gruß aus Bremen

 

Budelmann

 

 

 

Hallo Leute,  Auf geht` s  Kapitel 5 ist fertig

 

Ich hoffe, Ihr hattet alle ein schönes Osterfest.

Auf eine Ausfahrt zu Ostern habe ich in diesem Jahr verzichtet. Ich bin zwar kein bekennender „Schönwetterfahrer“, aber das Wetter war einfach zu lausig zum Fahren. Irgendwie soll Motorradfahren ja auch Spaß machen und nur Kilometer abreißen, aus dem Alter bin ich (leider) raus.

 

Also, weiter geht’s mit der Bastelei.

 

Nachdem alles gereinigt war, noch mal mit der Ölkanne alles geölt, neue Korkdichtung (aus deutscher Produktion) aufgelegt und alles verschraubt.

Ich habe die Schrauben nach „Gefühl“ angezogen, da ich nirgendwo nachlesen konnte, mit wieviel Anzugsmoment  (Nm) die angezogen werden.

Danach habe ich mit dem Drehmomentschlüssel einen Test gemacht. Es ergaben sich Anzugsmomente im Schnitt von 8 Nm. Wie sich später herausstellte, war die Ölwanne „dicht“, der Motor verlor also an dieser Stelle kein Öl. Danach scheint ein Wert von 8 Nm ausreichend zu sein.

 

Noch ein Hinweis: Ich habe die Schrauben erst leicht angezogen, so dass die Dichtung plan an lag und dann die Ölwanne nach dem Prinzip der Ventildeckelmontage (PKW) , wie oben beschrieben festgezogen. 

 

Dadurch wird verhindert, dass sich die Ölwanne beim Anziehen der Schrauben verzieht und später dann

evtl. Öl austritt.  

 

So, und nun geht’s ans Eingemachte.

 

Die Montage der Kolbenringe.

 

Die Kolbenringe meiner neuen Kolben waren bereits ab Werk montiert, so dass ich mir diese Mühe ersparen konnte.

 

Solltet Ihr aber irgendwann einmal nur die Ringe wechseln,  ist dennoch einiges zu beachten

 

Achtung: Angelesenes Wissen, noch nicht ausprobiert und somit nicht durch eigene praktische Erfahrungen belegbar! 

 

Achtet auf absolute Sauberkeit der einzelnen Komponenten beim Montieren der Ringe!

 

Ein übermäßiges Auseinanderbiegen (Spreizen) der Ringe,sollte man unter allen Umständen vermeiden, da es dadurch zu Verformungen der Ringe kommen kann, was sich u.U. später durch Leistungsverlust bemerkbar machen kann.

 

Den richtigen Sitz der Ringe überprüfen, Die montierten Ringe sollen sich jetzt in den Kolbenringnuten leicht verdrehen lassen.

 

Klingt recht einfach, ist es wahrscheinlich auch.

 

Die Kolbenbolzen  

 

 Die Kolbenbolzenbuchsen meiner Pleuel machten optisch noch einen sehr guten Eindruck und der Kolbenbolzen der Renault-Kolben ließ sich „saugend“ in ihnen hin und her bewegen. Kein fühlbares Spiel. Soweit man das mit den Fingern überhaupt feststellen kann. Aber Messtechnik stand mir nun mal nicht zur Verfügung.

 

Also: Die Buchsen „satt“ mit Öl getränkt und die Kolben auf die  Pleuel montiert.

 

Ich hatte im letzten Kapitel vergessen zu erwähnen, dass  ich dem Dreher, der mir die Nuten in die Kolben gestochen hat, natürlich einen Kolbenbolzensicherungsring mitgegeben hatte, damit er die entsprechenden Maße aufnehmen konnte.

 

Und gerade diese Sicherungsringe  sind von entscheidender Bedeutung:

 

Die Ringnuten im Kolbenbolzen-Loch der Original-Kolben sind als ein Halbrundprofil gestochen. Und so hat es auch mein Dreher gemacht.

In diese Nuten passen auch nur Sicherungsringe mit Rundprofil.

 

 

 Kommt nicht auf die Idee und baut da  Seegeringe ein.

 

 Quelle der Bilder: Copyright by METRICCUSTOM 

 

Die Dinger passen nur in eigens dafür gestochene Rechteckprofile. In Halbrundprofilen halten die Ringe nicht  und „wandern“ u.U. nach außen,d.h. Richtung Zylinderwand. Was dann passiert, könnt Ihr euch ja vorstellen  

 

 Das hat ja schon mal geklappt.

 

Jetzt müssen die Kolben nur noch in die Zylinder,  aber die brauchen erst einmal  neue Ventile!

 

Dazu mehr im nächsten Abschnitt.

 

Ich werde mir jetzt ein wohl temperiertes HB 0,33(Spezialschmierung für die Mandeln) reinziehen und melde mich dann in der nächsten Woche.

Bis dahin haben wir hoffentlich auch besseres Wetter, die „Mühlen“ schreien ja schon nach Frischluft.

Also, bis dann. Eine schöne Woche wünscht Euch

 

Budelmann

 

 

 

 

 

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